Dr. Niklas Auffermann, jüngstes Vorstandsmitglied, antwortet

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Dr. Niklas Auffermann, 1976 in Wuppertal geboren und damit jüngstes Mitglied des Kammervorstandes, beantwortet den neuen und ausführlichen Fragebogen im Kammerton. Seit 2004 ist Dr. Auffermann zur Anwaltschaft zugelassen und seit 2013 im Vorstand der RAK Berlin. Er hat sich als Gründungspartner der Kanzlei „Fachanwälte für Strafrecht am Potsdamer Platz“ (www.fs-pp.de) auf das Wirtschaftsstrafrecht sowie das Medizin- und Arztstrafrecht spezialisiert.



Warum sind Sie Rechtsanwalt geworden?

Ich habe ein gewisses Interesse an Konflikt und Streit.


Ihre Vorbilder in der Anwaltschaft?

Alan Shore!


Welche drei Eigenschaften sollte eine gute Rechtsanwältin oder ein guter Rechtsanwalt haben?

Parteiisch. Unabhängig. Verschwiegen.


Wem empfehlen Sie, sich zur Anwaltschaft zuzulassen?

Jedem, der einer Streitkultur etwas abgewinnen kann und der Spaß daran hat, sich dem täglichen Kampf der Interessen zu stellen. Zum Rechtsstaat gehört eine lebendige Anwaltskultur. Anwaltskultur ist immer auch Streitkultur.


Welche berufsrechtlichen Vorschriften für die Anwaltschaft halten Sie für notwendig oder aber für überflüssig?

Keinesfalls für überflüssig halte ich die anwaltliche Fortbildungspflicht.


Worum geht es Ihnen bei Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in nächster Zeit?

Es ist eine Herausforderung, den Spagat zwischen Tradition auf der einen, Wettbewerb, Fortschritt und Innovation auf der anderen Seite zu bewältigen. Das BVerfG hat mit seiner begrüßenswerten Entscheidung im Januar das Sozietätsverbot gelockert und eine weitere interprofessionelle Sozietät ermöglicht. Das Fremdbesitzverbot muss aber meines Erachtens stehen.

Der Rechtsdienstleistungsmarkt wird sich in den kommenden Jahren enorm verändern – der Blick nach Großbritannien zeigt, was mit LegalTech bereits möglich ist. Die elektronische Akte in Strafsachen wird hingegen in Deutschland im Jahre 2026 (!) eingeführt sein. Das kann man doch keinem Mandanten erklären. Im Wettbewerb stehende Anwälte können es sich nicht leisten, ihre Glaubwürdigkeit als zeitgemäße Dienstleister zu verlieren.

Das entscheidende Argument für eine Liberalisierung und Technikoffenheit ist jedoch: Es geht um den Zugang zum Recht. Wie schaffen wir es, unseren Mandanten in Zukunft guten Rechtsrat kostengünstig zu ermöglichen?


Was war Ihr Beweggrund für dieses Ehrenamt?

Der ehrenamtliche Einsatz für die Freiheit der Advokatur. Das, was seit 1996 in § 1 unserer Berufsordnung steht und überwiegend Formulierungen des BVerfG entstammt, war nicht immer so. Die preußische Kabinettsorder vom 15.12.1776 enthielt die Robenpflicht für die „Spitzbuben“. Der preußische König soll über den Zweck der Tracht gesagt haben: „… damit man die Spitzbuben schon von weitem erkennen und sich vor ihnen hüten könne.“ Am Anfang stand die Unfreiheit!


Wieviel Zeit benötigen Sie für diese Aufgabe?

Soviel wie es die Aufgaben eben erfordern. Wir haben in der Rechtsanwaltskammer zum Glück motivierte und ausgezeichnete Mitarbeiter, die große Arbeit leisten und ohne deren Hilfe ich in arge Bedrängnis käme.


Wofür fehlt der Anwaltschaft die Zeit?

Für die Beschäftigung mit Fehlerkultur und Fehlermanagement - und ich meine das in Bezug auf die gesamte Rechtspflege, insbesondere die Strafjustiz. In jeder Risikobranche, in der es um das Wohl und Wehe von Menschen geht (wie bspw. der Luftfahrt) ist eine Fehlerkultur fest etabliert. Dort ist es etwa das weltweit standardisierte Crew-Ressource-Management, das einen besonderen Fokus auf den Umgang mit Fehlern legt und das die Sicherheit im internationalen Luftverkehr maßgeblich erhöht hat.

Fehler können nicht vermieden werden, aber der Umgang mit ihnen und die unglückliche Verkettung mehrerer unentdeckter Fehler, die in eine Katastrophe münden. Wie etwa die Verurteilung eines Unschuldigen.


Nutzen Sie soziale Netzwerke?

Ja.


Was macht Sie wütend?

Willkür.


Welchem Thema würden Sie ein Buch widmen und mit welchem Titel versehen?

Fehlerkultur in der Justiz – Richter, Staatsanwälte und Verteidiger irren nie.


Welche Veränderungen im Berufsalltag schätzen Sie besonders?

Ich verteidige und berate deutschlandweit im Wirtschaftsstrafrecht. Ich schätze daher die zunehmende Mobilität und die Aufgabe des analogen Arbeitens.


Mit wem würden Sie gerne einen Tag die Rolle tauschen?

Denny Crane!


Haben Männer es in ihrem Beruf leichter als Frauen?

Was die Angewiesenheit auf Teilzeitarbeitsmodelle angeht: Eindeutig ja. Unsere Zulassungszahlen und die Einstellungsquoten der Justiz zeigen: Die Zukunft der Rechtspflege ist weiblich.

Justitia hält ja schon immer die Waage. Josef Ackermann stand vor einer Richterin. Klaus Zumwinkel wurde von einer Staatsanwältin zu Hause besucht. Eine Staatsanwältin hat die ehemaligen Vorstände der Bayerischen Landesbank angeklagt. Dieselbe Staatsanwältin, die Gerhard Gribkowsky sogar nach Hause begleitete um mit ihm seinen PC zu durchsuchen. Gribkowsky wurde zu achteinhalb Jahren verurteilt. Eine Richterin hat den Attentäter Anders Breivik in Norwegen zur Höchststrafe von 21 Jahren Haft verurteilt. Und es waren drei Frauen, die den früheren italienischen Staatschef Berlusconi zu sieben Jahren Haft verurteilten.


Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie?

Stärke: Ich vertrage sehr viel Bier.

Schwäche: Ich vertrage sehr viel Bier.


Ihr größter Flop?

Ein Vorteil des selbstständigen Rechtsanwalts ist es ja, nicht mehr diese faden Vorstellungsgesprächsfragen beantworten zu müssen.


Was hören / schauen / lesen Sie morgens als erstes?

Meine Töchter.


Ihr liebstes Hobby?

Skitourengehen.


Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückblickend anders treffen?

Keine.


Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem Berufsweg besonders geholfen?

Was man erst lernen muss, bevor man es ausführen kann, das lernt man, indem man es ausführt.

Kammerton 0708-2016

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