RA Christian Christiani, Geschäftsführer des Berliner Anwaltsvereins, antwortet

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RA Christian Christiani


Rechtsanwalt Christian Christiani ist seit 2006 Geschäftsführer des Berliner Anwaltsvereins. Er ist Rechtsanwalt seit 2001 und Partner in der Kanzlei Merle Gaydoff + Partner in Berlin-Mitte. Seine Schwerpunkte liegen im Wirtschaftsrecht und Erbrecht.


Warum sind Sie Rechtsanwalt geworden?

Nach Studium und Referendariat hatte ich ein Angebot in der Rechtsabteilung einer Münchener Medienfirma und bei einer großen Frankfurter Kanzlei im Bereich „Stiftungen, Vereine, Verbände“. Die Lust auf die juristische Herausforderung in der Beratung und die Möglichkeit zur späteren Selbständigkeit waren zwei Gründe für die Entscheidung für den Anwaltsberuf.


Ihre Vorbilder in der Anwaltschaft?

Durch meine Arbeit für den Berliner Anwaltsverein habe ich das große Glück, unterschiedlichste und beeindruckende Anwaltspersönlichkeiten aus unterschiedlichsten Rechts- und Lebensbereichen kennen zu lernen. Die Expertise, der Einsatz auch für rechtspolitische Ziele, Rechtsstaatlichkeit und für andere Menschen beeindrucken mich immer wieder an unserer Berufsgruppe. Schauen Sie nur auf die ca. 900 Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichster beruflicher Ausrichtung, die eine ehrenamtliche Vorschmundschaft für minderjährige Flüchtlinge übernommen haben!

Vorbilder in der Anwaltschaft? Natürlich auch Onkel Horst…


Welche drei Eigenschaften sollte eine gute Rechtsanwältin oder ein guter Rechtsanwalt haben?

Selbständiges Denken. Lösungen erarbeiten, nicht nur Risikoszenarien. Gegenargumente und Angriffe aushalten.


Wem empfehlen Sie, den Anwaltsberuf zu ergreifen?

Bitte nur denen, die Spass daran haben und gern Verantwortung übernehmen!


Welche berufsrechtlichen Vorschriften für die Anwaltschaft halten Sie für notwendig oder aber für überflüssig?

Die „Core Values“ sind für uns alle unverzichtbar. 15 FAO Fortbildungsstunden sind janz schön viel, aber ich verstehe schon, dass klare Qualitätsmerkmale Sinn machen…


Worum geht es Ihnen bei Ihrer Vereins-Tätigkeit in nächster Zeit?

Das nächste – wenn auch traurige – Highlight im Berliner Anwaltsverein: „Brexit – was nun??“ am 13. Februar 2019.

In dieser Veranstaltung unter dem Motto „Zuhören – Mitreden!“ werfen wir Schlaglichter auf die Folgen des (Hard-) Brexit für die Rechtspraxis – mit einem Panel von Expertinnen und Experten aus London und Berlin aus acht Rechtsgebieten – vom Zollrecht, IP / IT, Datenschutz bis hin zum Familienrecht.

Die neue Partnerschaft zwischen dem Berliner Anwaltsverein und der Rechtsanwaltskammer Warschau sollten wir für möglichst viele persönliche Begegnungen nutzen! Helfen Sie uns dabei!


Was macht Sie wütend?

Die menschliche Dummheit. Rechtsstaatliche Standards werden bei uns, in Europa und im Westen wieder in Frage gestellt und verächtlich gemacht. Die nationalistische Ideologie ist zurück, auch die ganz praktischen Vorteile des Europäischen Rechtsraumes der EU werden schlechtgeredet oder für selbstverständlich gehalten.

Und noch einmal: Wer als Anwältin oder Anwalt im rechtlichen Interesse des Mandanten rechtstaatlich vorgesehene Verfahren beschreitet, gefährdet nicht den gesellschaftlichen Frieden! Im Gegenteil.


Welchem Thema würden Sie ein Buch widmen und mit welchem Titel versehen?

BERLIN FÜR ANWÄLTE, 3. Auflage, Berlin 2021.

Die beiden Vorauflagen – mit interessanten und originellen Beiträgen von Benno Heussen, Monika Nöhre, Stefan König, Uwe Freyschmidt u.v.a. – erhalten Sie über den Berliner Anwaltsverein.


Haben Männer es in Ihrem Beruf leichter als Frauen?

Der Gender Pay Gap ist ein Fakt. Hat Ihnen noch nie ein Partner einer großen Kanzlei erklärt, warum es so wahnsinnig problematisch ist, Frauen einzustellen?

Daran müssen wir (immer noch) arbeiten!


Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie?

Eine gewisse Sturheit bei Dingen, die ich (nach reichlicher Erwägung) für richtig halte.


Was lesen / hören / schauen Sie morgens als erstes?

DLF.


Ihr liebstes Hobby?

Komisches Wort, ich würde es eher nicht benutzen.

Auch nach 25 Jahren lohnt es sich immer noch, Berlin und seine Attraktionen weiter zu erkunden: Kosky’s Komische Oper, das Humboldt-Schloss Tegel, die Schaubühne, das luxuriöse Berliner Musikleben, die „neue“ Potsdamer Straße mit ihren alten Häusern und neuen Galerien, oder das große Glück bei der Entdeckung einer mir noch völlig unbekannten Straße in einem vermeintlich bekannten Kiez…

Kammerton 12-2018

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