RAuN Prof. Dr. Wolfgang Kuhla, Wahlleiter, antwortet

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Rechtsanwalt und Notar Prof. Dr. Wolfgang Kuhla


Rechtsanwalt Prof. Dr. Wolfgang Kuhla ist Fachanwalt für Verwaltungsrecht und Notar bei Raue LLP. Er ist spezialisiert auf das Gesundheitsrecht und Öffentliches Recht, insbesondere auf die Vertretung von Krankenhausunternehmen. Von 1984 bis 1994 leitete er das Fachinstitut Verwaltungsrecht des Deutschen Anwaltsinstituts, er ist seit 1992 ständiges Mitglied des Ausschusses Verfassungsrecht der BRAK und seit 2009 Honorarprofessor am Fachbereich Rechtswissenschaften der Freien Universität Berlin. Im September 2018 hat der Vorstand der RAK Berlin Prof. Kuhla in den Wahlausschuss für die Durchführung der Wahlen zum Gesamtvorstand und zur Satzungsversammlung im Jahr 2019 berufen. Er ist Vorsitzender des Wahlausschusses und Wahlleiter.


Warum sind Sie Rechtsanwalt geworden?

Ursprünglich wollte ich Richter werden, Verwaltungsrichter in einer Kammer für Beamtenrecht. In der Anwaltsstation sammelte ich dann völlig unerwartete Erfahrungen: Die Herausforderung sich auf sehr unterschiedliche Menschen und ihre Interessen einzustellen. Die Zufriedenheit, wenn Vertrauen zu Mandanten entsteht, weil sie sich verstanden fühlen. Die Möglichkeit, verantwortungsvolle Aufgaben in einer weitestgehend hierachiefreien Umgebung wahrnehmen zu können. Die Freude, dank einer guten Ausbildung belastbaren Rat geben zu können.


Ihre Vorbilder in der Anwaltschaft?

Das waren in der ersten Hälfte des Berufslebens immer erfahrene Rechtsanwälte, mit denen ich eng zusammengearbeitet habe und von denen ich so lernen konnte. Dabei ging es viel um „soft skills“: Umgang mit Mandanten, der Gegenpartei und Richtern, Technik der Vorbereitung von Vertrags- und Gerichtsverhandlungen. Wie spreche ich mit Mandanten über das Honorar? Spannend war dabei auch zu beobachten, wie unterschiedlich die konkreten Aufgaben wahrgenommen worden sind, je nachdem ob es um ein anwaltliches oder notarielles Mandat ging. Es gibt eben doch Kollegen, die sich in der einen oder anderen Sphäre sicherer bewegen, weil das ihrem Temperament gemäßer ist.

Jetzt bieten mir eher meine jüngeren Partnerinnen und Partner Orientierung, auf deren fachlichen Rat ich mich verlassen kann und die aufgrund ihrer Kollegialität, Offenheit, Fröhlichkeit und auch durch ihren Humor dafür sorgen, dass ich immer noch gerne ins Büro gehe.


Welche drei Eigenschaften sollte eine gute Rechtsanwältin oder ein guter Rechtsanwalt haben?

Interesse am Mitmenschen, dann hört man gut und gerne zu und entwickelt das sichere Gespür, was noch gefragt werden sollte;

Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen;

Loyalität dem Mandaten gegenüber, ohne dabei die Distanz zu verlieren.


Wem empfehlen Sie, den Anwaltsberuf zu ergreifen?

Die universitäre, juristische Ausbildung ist seit Jahrzehnten auf die Tätigkeit eines Richters ausgerichtet. Sie bereitete darauf vor, im Einzelfall zu entscheiden, wer Recht hat. Das hat seinen Grund, kann aber den Blick darauf verstellen, dass die vielfältigen und konfligierenden Interessen der Menschen und Organisationen, die in einem Sachverhalt verwoben sind, es meist Wert sind engagiert und sachkundig vertreten zu werden. Anwalt sollte werden, wer sich in diesem Sinne gerne die Sache des Mandanten zu Eigen macht.


Welche berufsrechtlichen Vorschriften für die Anwaltschaft halten Sie für notwendig oder aber für überflüssig?

Fehlanzeige.


Worum geht es Ihnen bei Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in nächster Zeit?

Ich bin Wahlleiter für die Wahlen zum Gesamtvorstand der RAK Berlin und zur Satzungsversammlung. Unerwartet bin ich dabei – zusammen mit den anderen Mitgliedern des Wahlausschusses – mit gewichtigen Rechtsfragen konfrontiert worden. Ist es möglich, bei einer online durchgeführten Wahl die Grundsätze der geheimen und öffentlichen Wahl überprüfbar einzuhalten – und gelten diese uneingeschränkt im Bereich der mittelbaren Verwaltung? Wann besteht das passive Wahlrecht, konkret: Was bedeutet es, dass der Wahlvorschlag nur zugelassen werden darf, wenn der Kandidat seinen Beruf für einen bestimmten Zeitraum „ausgeübt“ hat?


Was war Ihr Beweggrund für dieses Ehrenamt?

Ich halte die berufliche Selbstverwaltung für ein großes Privileg der Freien Berufe. Das setzt allerdings voraus, dass wir uns im Rahmen unseres Berufslebens immer wieder an der Aufgabenwahrnehmung beteiligen.


Wieviel Zeit benötigen Sie für diese Aufgabe?

In der Summe insgesamt einige Tage.


Wofür fehlt der Anwaltschaft die Zeit?

Jeder Anwalt ist – mehr als viele andere Berufstätige - sein eigener Zeitmanager. Wenn man meint, es fehle einem Zeit – etwa für die Fortbildung –, dann sollte man prüfen, warum man sich die Zeit nicht einfach nimmt.


Nutzen Sie soziale Netzwerke?

LinkedIn, Xing, zögerlich.


Was macht Sie wütend?

Wenn man versucht, mich für dumm zu verkaufen.


Welchem Thema würden Sie ein Buch widmen und mit welchem Titel versehen?

Das Leben in Berlin in den achtziger Jahren – „Frei zwischen Mauern“.


Welche Veränderungen im Berufsalltag schätzen Sie besonders?

Die Möglichkeit an jedem Ort mit einer stabilen Internetversorgung arbeiten zu können.


Mit wem würden Sie gerne einen Tag die Rolle tauschen?

Ich würde gerne mit Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation ISS tauschen.


Haben Männer es in ihrem Beruf leichter als Frauen?

Ja, es gibt noch Situationen und Arbeitsbereiche, in denen es Männer leichter haben. Die Dinge sind aber im Fluss. Es gibt inzwischen auch häufig Situationen, in denen es Kolleginnen leichter haben.


Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie?

Ich bewahre stets die Ruhe. Ich bin immer noch unpünktlich.


Ihr größter Flop?

Ich bin meisterlich im Verdrängen.


Was lesen / hören / schauen Sie morgens als erstes?

Info-Radio, Spiegel-online.


Ihr liebstes Hobby?

Lesen (aktuelle Prosa, historische Sachbücher), Reisen.


Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückblickend anders treffen?

Keine, bisher ist alles super gelaufen.


Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem Berufsweg besonders geholfen?

Vor konfliktträchtigen Verhandlungen eine kleine gemeinsame emotionale Basis schaffen: Das Wetter verbindet uns und ist ein wunderbares Thema, um Gemeinsamkeiten zu erspüren.

Wenn es vor Gericht im Verhandlungstermin gut läuft: „Mund halten!“

Kammerton 11-2018

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