Eine Ehrung des Kollegen Siegfried Kroll

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Rechtsanwalt und Notar Siegfried Kroll, 1902 - 1973; Quelle: Landesarchiv Berlin B Rep. 068 Nr. 1523


Am 5. November hat das Projekt „Wir waren Nachbarn“ bei einer eindrucksvollen Veranstaltung im Rathaus Schöneberg an den Berliner Rechtsanwalt Siegfried Kroll erinnert. Der Kollege erhielt 1933 in Berlin - im Alter von 30 Jahren und anderthalb Jahre nach seiner Zulassung - als jüdischer Rechtsanwalt ein Vertretungs -, später ein Berufsverbot, und emigrierte nach Kopenhagen.


Im Herbst 1943 konnte er so wie etwa 7.000 Juden über den Øresund von Dänemark nach Schweden fliehen. Denn zum jüdischen Neujahrsfest im Jahre 1943 wollte die deutsche Regierung, die der dänischen Regierung nach der Besetzung im April 1940 zunächst eine relativ große Eigenständigkeit belassen hatte, alle Juden Dänemarks deportieren. Etwa 500 wurden gefasst und in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt, 52 von ihnen wurde umgebracht.


Der großen Mehrheit von 7.000 Menschen aber gelang mit Hilfe der nichtjüdischen Bevölkerung Dänemarks die Flucht.

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Dr. Marcus Mollnau und Birthe Kroll

Dr. Simone Ladwig-Winters, Autorin des von der RAK Berlin herausgegebenen Buchs „Anwalt ohne Recht“1 präsentierte auf der Gedenkveranstaltung im Rathaus Schöneberg ein Album über das Leben Siegfried Krolls, das sie seiner Tochter, Birthe Kroll, überreichte.


Birthe Kroll, aus Kopenhagen angereist, zeigte sich tief bewegt und schilderte, dass sie erst nach langem Zögern neben der dänischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt und erhalten habe. Ihr Vater war 1954 nach Berlin zurückgekehrt, wurde wieder zur Anwaltschaft zugelassen und spezialisierte sich auf Entschädigungsrecht. Er engagierte sich in der jüdischen Gemeinde.


Dr. Clemens Räthel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität, schilderte bei seinem Vortrag auf der Gedenkveranstaltung das Verhältnis zwischen der deutschen und der dänischen Regierung von 1940 bis 1943 sowie die Umstände der Flucht im Herbst 1943.


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Der Kammerpräsident begrüßt den schwedischen Botschafter, in der Mitte Frau Dr. Simone Ladwig-Winters


Zu Beginn der Veranstaltung hatte Jutta Kaddatz, die Bezirksstadträtin von Tempelhof-Kreuzberg für Bildung, Kultur und Soziales, die Gäste begrüßt. Unter ihnen waren der Schwedische Botschafter, S.E. Per Thöresson und der Leiter der Kommunikations- und Kulturabteilung der Dänischen Botschaft, Jesper Schou-Knudsen. Schou-Knudsen erinnerte in seinem Grußwort daran, mit welch großem Einsatz und unter welchen Gefahren die nichtjüdischen Dänen die Flucht der Juden ermöglicht und mit welchem Einsatz die Schweden die Flüchtlinge aufgenommen hätten. Der Schwedische Botschafter betonte anschließend, wie wichtig diese Erinnerung in den Zeiten des zunehmenden Antisemitismus‘ und Fremdenhasses sei.


Dr. Marcus Mollnau, Präsident der Rechtsanwaltskammer Berlin, überreichte Birthe Kroll, S.E. Per Thöresson und Jepser Schou-Knudsen jeweils das Buch „Anwalt ohne Recht“ (Fotos links). In diesem Buch über das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Berlin nach 1933 findet sich Siegfried Kroll im Biografischen Verzeichnis der Berliner Rechtsanwälte jüdischer Herkunft.

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Der Leiter der Kommunikations- und Kulturabteilung der Dänischen Botschaft, Jesper Schou-Knudsen



Auch in dem 2012 von Hans Bergemann verfassten und von der RAK Berlin herausgegebenen, Buch „Zu Recht wieder Anwalt“ , finden sich detaillierte Angaben zum Lebensweg von Siegfried Kroll. Danach ist er 1958, vier Jahre nach seiner Zulassung als Rechtsanwalt, in Berlin auch als Notar zugelassen worden.


Im Alter von 70 Jahren starb Siegfried Kroll in Berlin.

Kammerton 11-2018

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