STAR Bericht 2018 über die wirtschaftliche Lage der Kanzleien

Die Bundesrechtsanwaltskammer hat jetzt auf ihrer Website die Ergebnisse des STAR-Berichts 2018 über die wirtschaftliche Lage der Kanzleien und zur Berufszufriedenheit auf ihrer Website veröffentlicht. Die BRAK hatte das Institut für Freie Berufe (IFB) mit den empirischen Erhebungen für das Wirtschaftsjahr 2016 beauftragt. Das IFB führte im Herbst 2017 – seit 1993 zum 17. Mal – die Befragungen durch: 24.304 Berufsträger wurden angeschrieben, die Rücklaufquote lag mit 7.327 Fragebögen bei 31,06%. Nicole Genitheim vom IFB hält dies bei der Auswertung der Erhebung in den BRAK-Mitteilungen 2018, 218, 223 für eine rege Beteiligung. 21 Rechtsanwaltskammern, darunter die RAK Berlin, hatten die Erhebung unterstützt.


Die Untersuchung zeigt, dass das Geschlecht und die Frage, ob sich die Kanzlei in den alten oder in den neuen Bundesländern befindet, weiterhin ein sehr relevantes Unterscheidungskriterium bleibt. Bei der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit zeigt sich zwar, dass sich in der 'Gruppe 40 – 49 Stunden' der Anteil der Frauen (33,6% der befragten Anwältinnen) mit dem Anteil der Männer (32,9%) fast die Waage hält, in der 'Gruppe 20 – 39 Stunden' der Anteil der Frauen mit 33,1% aber deutlich über dem der Männer (14,2%) liegt, andererseits bei der 'Gruppe 50 – 59 Stunden' die Männer mit 30,6% erheblich über dem Anteil der Frauen (17,5%) liegen. Insgesamt ergibt die Befragung eine mittlere wöchentliche Arbeitszeit in der Anwaltschaft von 42,3 Stunden.


In den neuen Bundesländern werden in den Sozietäten durchgehend geringere persönliche Honorarumsätze und auch Gewinne erwirtschaftet als in den alten Bundesländern. Bei den Einzelkanzleien ist es zwar so, dass der durchschnittliche Kanzleiumsatz der Anwältinnen und Anwälte im Osten (172.000 €) leicht über dem der Kolleginnen und Kollegen im Westen (160.000 €) liegt, der durchschnittliche Überschuss der westdeutschen Einzelkanzleien mit 80.000 € allerdings wiederum deutlich höher als der Überschuss von 55.000 € der ostdeutschen Einzelkanzleien ist. Das IFB (BRAK-Mittlg. 2018, 218, 221) geht grundlegend davon aus, dass die wirtschaftliche Lage in den alten Bundesländern weiterhin besser sei als in den neuen Bundesländern.


Sowohl beim Umsatz wie auch beim Überschuss liegen die männlichen Berufsträger sowohl im Osten wie auch im Westen deutlich vor den weiblichen Berufsträgern. Bei den Sozietäten liegt der durchschnittliche Honorarumsatz der Männer im Osten um 76.000 € und im Westen um 74.000 € über dem der Frauen. Beim Überschuss in den Einzelkanzleien liegt der durchschnittliche Kanzleigewinn von 79.000 € der Kollegen um 20.000 € über dem der Kolleginnen.


Die Spezialisierung, z.B. nach der Verleihung eines Fachanwaltstitels, erbringt in der Regel erhebliche finanzielle Vorteile. In Sozietäten liegt der persönliche Honorarumsatz eines Berufsträgers ohne Spezialisierung oder ohne Fachanwaltstitel im Durchschnitt bei 144.000 €. Liegen ein Fachanwaltstitel oder eine Spezialisierung vor, werden dagegen Werte von durchschnittlich mindestens 239.000 € genannt.


Im Rahmen von STAR 2018 wurden erstmals Fragen zur außergerichtlichen Streitbeilegung gestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass 6,5 % der Anwältinnen und 2,9 % der Anwälte auf diesem Gebiet tätig waren. Der Anteil dieser Verfahren am Kanzleiumsatz liegt zwischen 2 und 3 %. In 58% der Fälle wird diese Art der Verfahren mittels Stundenhonorar abgerechnet. Nicole Genitheim kommt zu dem Schluss, dass die Mediation im Allgemeinen in Deutschland fest verankert, 2016 aber noch wenig genutzt worden sei. Allerdings bleibe abzuwarten, in welche Richtung sich dies in den kommenden Jahren entwickle.


Aus der STAR-Befragung ergibt sich schließlich eine optimistische Zukunftseinschätzung. Für das Jahr 2016 geben 70% der Befragten an, dass sich das Jahr wirtschaftlich wie erwartet entwickelt habe und 15% der Befragten teilen mit, dass es sogar erfolgreicher ausgefallen sei. Der Anteil derer, die weniger erfolgreich gewesen seien als angenommen, sei gering ausgefallen.

Dazu passen die Antworten auf die Fragen nach der Zufriedenheit mit dem Anwaltsberuf: Mehr als die Hälfte, nämlich 60%, seien mit der Berufswahl zufrieden, 17% sehen es eher kritisch und 23,5% ordnen sich als „eher zufrieden“ ein.


Zusammengefasst: Der STAR-Bericht hat ein „eher positives Ergebnis“ erbracht.

Kammerton 05-2019

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