RA und Notar a.D. Dr. Bernhard Dombek antwortet

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RA und Notar a.D. Dr. Bernhard Dombek


Dr. Bernhard Dombek wurde am 5. Februar 1939 in Berlin geboren. Er ist seit über 50 Jahren Rechtsanwalt in Berlin. Von 1989 bis 1999 war er Präsident der Rechtsanwaltskammer Berlin, von 1999 bis 2007 Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer. Er ist Träger des Verdienstordens des Landes Berlin für seine Verdienste um das Zusammenwachsen der Anwaltschaft in Ost- und Westdeutschland, vor allem in Berlin, sowie Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse, vor allem für seine Bemühungen um die Aufarbeitung der Geschichte der jüdischen Anwaltschaft im Dritten Reich und für sein Engagement für die heutige Beziehung zwischen deutschen und israelischen Anwälten. Außerdem ist er Besitzer des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.


Warum sind Sie Rechtsanwalt geworden?

In der Schule haben mich die Geschichte und die deutsche Sprache und Literatur besonders interessiert. Lehrer wollte ich jedoch nicht werden. Ein einige Jahre älterer Freund, der bereits Jura studierte, hat mich für dieses Studium interessiert. Nach dem ersten Examen, während der gesamten Referendarzeit, die damals noch 3 1/2 Jahre dauerte, habe ich nebenbei bei einem Einzelanwalt gearbeitet. Das hat mich so fasziniert, dass ich nach Abschluss des zweiten Examens sofort Rechtsanwalt geworden bin, und zwar in einer damals völlig unüblichen Sozietät


Ihre Vorbilder in der Anwaltschaft?

Zum einen Karl-Heinz Quack, mein Vorvorgänger im Amt des Präsidenten der RAK Berlin und Otto Schily, der bekannte, kenntnisreiche und durchsetzungsfähige Strafverteidiger, obwohl ich mich nur am Anfang meiner Anwaltslaufbahn auch mit dem Strafrecht beschäftigt habe.


Welche drei Eigenschaften sollte eine gute Rechtsanwältin oder ein guter Rechtsanwalt haben?

Er/Sie sollte empathiefähig sein und fähig, den ihm vorgetragenen Sachverhalt und seine Gedanken in klaren Strukturen zu ordnen.


Wem empfehlen Sie, den Anwaltsberuf zu ergreifen?

Wer diese Eigenschaften hat.


Welche berufsrechtlichen Vorschriften für die Anwaltschaft halten Sie für notwendig oder aber für überflüssig?

Alle Regelungen, die die Unabhängigkeit und die Verschwiegenheitsverpflichtung betreffen, ebenso die Vermeidung von Interessenkonflikten, sind notwendig. Besondere berufsrechtliche Vorschriften für die anwaltliche Werbung halte ich dagegen für überflüssig.


Worum ging es Ihnen bei Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit vor allem?

Wichtig war es mir, die eben erwähnten sog. „core values“ hoch zu halten. Ich habe mich auch besonders dafür eingesetzt, die aufgrund der Wiedervereinigung neu hinzugekommenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte aus den neuen Ländern schnell und gut zu integrieren. Ich wollte auch nicht die jüdischen Rechtsanwälte vergessen, die in der Nazizeit aus der Anwaltschaft ausgeschlossen und z.T. ermordet wurden. Diesem Zweck diente auch die Betonung eines besonders freundschaftlichen Verhältnisses zur israelischen Anwaltschaft.


Wofür fehlt der Anwaltschaft die Zeit?

Sich möglichst oft die sog. „core values“ vor Augen zu halten und ihre Kanzleien gut und modern zu organisieren.


Nutzen Sie soziale Netzwerke?

Nein.


Was macht Sie wütend?

Mir wird besondere Gelassenheit nachgesagt. Daher macht mich sehr selten etwas richtig wütend.


Welchem Thema würden Sie ein Buch widmen und mit welchem Titel versehen?

Zum Glück gibt es viele Bücher über anwaltliche Themen. Besonders gut finde ich, dass der Berliner Rechtsanwalt Ferdinand von Schirach sehr viel dazu im Kopf hat und das auch gut lesbar und literarisch wertvoll aufschreiben kann. Ich bin leider nicht so begabt.


Welche Veränderungen im Berufsalltag schätzen Sie besonders?

Die Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung unserer Arbeit bietet und die damit verbundene schnelle Kommunikationsmöglichkeit.


Mit wem würden Sie gerne einen Tag die Rolle tauschen?

Mit keinem anderen Rechtsanwalt, vielleicht mit Joachim Sauer, dem Ehemann von Angela Merkel. Dann gäbe es endlich einmal gute Kartoffelsuppe. Wenn schon, denn schon: Ein Tag als Bundespräsident wäre auch mal schön.


Haben Männer es in ihrem Beruf leichter als Frauen?

Leider werden auch heute noch Anwältinnen schlechter bezahlt, obwohl sich in den letzten Jahren schon viel zugunsten der Frauen verbessert hat. Die Anzahl der Frauen in unserem Beruf steigt stetig, das freut mich.


Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie?

Man sagt mir große Gelassenheit und die Fähigkeit zu strukturellem Denken und viel Disziplin nach. Die Gelassenheit kann bei mir aber auch zur Schwäche ausarten, zu einer Gleichgültigkeit, wo ich mich eigentlich lautstark empören müsste. Laut ist aber eben gerade nicht meine Art.


Ihr größter Flop?

Beruflich gab es keinen.


Was lesen / hören / schauen Sie morgens als erstes?

Den Tagesspiegel. Das Radio bleibt ausgeschaltet. Der Fernseher wird allenfalls am Abend eingeschaltet.


Ihr liebstes Hobby?

Lesen und Musik hören.


Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückblickend anders treffen?

Keine.


Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem Berufsweg besonders geholfen?

Es hat sich offenbar niemand gefunden, mir einen beruflichen Rat zu erteilen. Allerdings traut sich meine Frau gelegentlich, sich in meine beruflichen Belange einzumischen.

Kammerton 05-2019

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