Fachkräftenachwuchs - Quo vadis?


Der Gesamtvorstand der RAK Berlin hat am 10.04.2019 beschlossen, die Vergütungsempfehlungen für die Auszubildenden in den beiden Ausbildungsberufen Rechtsanwaltsfachangestellte/r (ReFa) und Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte/r (ReNo) erneut anzuheben.


Die Entwicklung dieser Vergütungsempfehlungen seit 2013 im Überblick:


                                         ab 04/2019            01/2018 bis 04/2019                       07/2013 bis 12/2017

1.Ausbildungsjahr          700,00 €                          610,00 €                                             500,00 €

2.Ausbildungsjahr          740,00 €                          690,00 €                                             580,00 €

3.Ausbildungsjahr          820,00 €                          770,00 €                                             650,00 €


Beim Neuabschluss von Berufsausbildungsverträgen in Berlin sind diese Beträge mindestens zu vereinbaren und zu zahlen. Voraussetzung für die Eintragung des Berufsausbildungsverhältnisses in das von der Rechtsanwaltskammer Berlin für die beiden Ausbildungsberufe zu führende Verzeichnis, §§ 34, 35 BBiG, ist die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen des BBiG.


§ 17 Abs. 1 BBiG bestimmt, dass Auszubildenden eine angemessene Vergütung zu gewähren ist, die mit fortschreitender Berufsausbildung und mindestens jährlich ansteigen muss. Die Bestimmung der in Berlin „angemessenen Vergütung“ durch die Rechtsanwaltskammer, als für die Ausbildung der Fachangestellten gem. § 71 BBiG zuständiger Stelle, ist notwendig, weil bisher eine Bestimmung dieser Vergütung durch Tarifvertragsparteien fehlt.


Die Ausbildungsvergütung als „gewichtige und fühlbare Unterstützung zum Lebensunterhalt“ des/der Auszubildenden muss mit den wirtschaftlichen Entwicklungen am Ausbildungsort Schritt halten. Das war ein Grund, die Vergütungsempfehlungen nach nur 16 Monaten erneut anzuheben.


Andererseits stehen die Berliner Rechtsanwältinnen und Rechtsanwalte auch bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen im ständigen Wettbewerb mit anderen rechts-, steuer- und wirtschaftsberatenden Berufen. Ein Blick auf die aktuellen Vergütungsempfehlungen anderer Kammern zeigt den auch weiterhin bestehenden Nachholbedarf im Bereich der ReFa- und ReNo-Ausbildungsvergütungen:


                          1. Ausbildungsjahr                         2. Ausbildungsjahr                  3. Ausbildungsjahr

RAK Berlin              700,00 €                                            740,00 €                                         820,00 €

StBK Berlin             700,00 €                                            800,00 €                                        950,00 €

NotK Berlin             937,00 €                                            991,00 €                                     1.042,00 €


Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse in den Ausbildungsberufen ReFa und ReNo ist seit dem Jahr 2007 (nicht nur) in Berlin rückläufig. Einer der Gründe dafür ist ganz sicher die im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen geringere Ausbildungsvergütung, die für potentielle Auszubildende wenig Anreiz bietet, gerade den Beruf des/der ReFa oder ReNo zu erlernen. Selbst eine Ausbildung in der Berliner Justiz bietet – auf den ersten Blick – scheinbar mehr. Es liegt an der Anwaltschaft selbst, die Ausbildungsberufe ReFa und ReNo für die Zukunft „wettbewerbsfähig“ und auch durch eigene Angebote attraktiver zu machen.


Nur durch eigene Anstrengungen der Berliner Anwaltschaft ist es so auch gelungen, die Zahl abgebrochener Ausbildungsverhältnisse im Jahr 2018 signifikant zu senken und trotz der rückläufigen Anzahl von Neuabschlüssen die Zahl der erfolgreichen Ausbildungsabsolventen konstant zu halten. Dafür sei an dieser Stelle den ehrenamtlichen Ausbildungsberatern der Rechtsanwaltskammer Berlin ein ganz herzlicher Dank ausgesprochen, die sowohl den Auszubildenden als auch den Ausbildenden bei jedweden Schwierigkeiten zur Seite stehen, um ein einmal begonnenes Ausbildungsverhältnis erfolgreich zum Abschluss zu bringen.


Dass das allein nicht reichen kann, weiß jeder der in Berlin einen freien Arbeitsplatz mit einer voll ausgebildeten ReFa oder ReNo besetzen möchte. Der Bedarf der Berliner Rechtsanwaltschaft an solchen Fachkräften ist unverändert hoch, auch wenn sich deren Arbeitsaufgaben – nicht nur – durch die zunehmende Digitalisierung der anwaltlichen Arbeitswelt stetig ändern.


Die Einführung zeitgemäßer („konkurrenzfähiger“) Arbeitsbedingungen für die eigenen Fachkräfte bleibt darum eine vordringliche Aufgabe der Berliner Anwaltschaft und liegt in ihrem ureigenen Interesse.


Kammerton 04-2019

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