RAin Susanne Ott, Vorsitzende des Fachanwaltsausschusses für Familienrecht, antwortet

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Rechtsanwältin Susanne Ott

Warum sind Sie Rechtsanwältin geworden?

Zum Fachbereich Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin war es der eine oder andere Umweg. Nach Studium und Referendariat bin ich aber ziemlich direkt zum Anwaltsberuf gelangt. Eine gewisse Freiheit in der Berufsausübung, die Unabhängigkeit, und die Möglichkeit, sich für andere in schwierigen Situationen einzusetzen, das bietet der Beruf, und das erscheint mir doch sehr attraktiv.


Ihre Vorbilder in der Anwaltschaft?

Es gibt einige Kolleginnen und Kollegen, die mir etliche Jahre Berufserfahrung voraus haben, die mir in meinen Anfangsjahren zugewandt und hilfsbereit begegnet sind und mich mit ihrer Souveränität bis heute sehr beeindrucken. Und dann gibt es natürlich die Kolleginnen und Kollegen, die bei der Ausübung ihres Berufs ihr Leben und ihre Freiheit riskieren, sie verdienen unser aller Respekt und Bewunderung, wie ich finde.


Welche drei Eigenschaften sollte eine gute Rechtsanwältin oder ein guter Rechtsanwalt haben?

Es hilft sicher, sich schnell einen Überblick verschaffen zu können und gerne strukturiert zu denken, aber mit verschiedenen Menschen zu tun haben, das sollte man aus meiner Sicht auch mögen.


Wem empfehlen Sie, den Anwaltsberuf zu ergreifen?

Der Beruf hat so viele Facetten, da kann ich keine allgemeingültige Empfehlung geben. Außer vielleicht, dass es versuchen soll, wer sich dazu berufen fühlt.


Welche berufsrechtlichen Vorschriften für die Anwaltschaft halten Sie für notwendig oder aber für überflüssig?

Der Rechtsanwalt und die Rechtsanwältin als unabhängiges Organ der Rechtspflege, das muss auch in Zukunft gelten. Und dasjenige Berufsrecht, das hier zur Absicherung und Gestaltung notwendig ist, halte ich für notwendig.


Worum geht es Ihnen bei Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit in nächster Zeit?

Die Arbeit eines Fachanwaltsausschusses, in meinem Fall für Familienrecht, spielt sich ja eher im Hintergrund ab. Ein Fachanwaltstitel begründet in der Regel ein besonderes Vertrauen bei Mandantinnen und Mandanten, die sich für ihre Anliegen eine möglichst hoch qualifizierte Bearbeitung wünschen, was wiederum die Schwerpunktbildung in der anwaltlichen Arbeit ermöglicht und die Konzentration auf ganz bestimmte Rechtsgebiete erlaubt. Ich sehe die Tätigkeit im Ausschuss daher als einen kleinen Beitrag zur Qualitätssicherung, den ich gerne zusammen mit den anderen Ausschussmitgliedern leiste.


Was war Ihr Beweggrund für dieses Ehrenamt?

Vor rund zehn Jahren wurde ich gefragt, ob ich mir eine Mitarbeit im Fachanwaltsausschuss für Familienrecht vorstellen könne, und habe gleich zugestimmt und mich beworben. Das habe ich bis heute nicht bereut.


Was macht Sie wütend?

Dummheit und respektloses Verhalten, darüber muss man sich einfach aufregen.


Welchem Thema würden Sie ein Buch widmen und mit welchem Titel versehen?

Das wäre wahrscheinlich ein Kriminalroman, im Mittelpunkt eine Rechtsanwaltskanzlei, in den Hauptrollen ein Mandant, dessen Widersacher, die unerschrockene Rechtsanwältin, die zusammen mit ihren engagierten Angestellten und kreativen Ideen einen spektakulären, menschlich anrührenden Fall löst, alles in lakonischem Tonfall beschrieben, der gleichwohl profundes Insiderwissen der Verfasserin erkennen lässt. Sie meinen, das gibt es schon, so oder so ähnlich? Bestimmt haben Sie recht.


Welche Veränderungen im Berufsalltag schätzen Sie besonders?

Die Möglichkeiten schneller und unkomplizierter Kommunikation.


Mit wem würden Sie gerne einen Tag die Rolle tauschen?

Ruth Bader Ginsburg würde ich gerne zu einer Verhandlung am Supreme Court begleiten, ihre Rolle dort könnte ich aber nicht übernehmen.


Haben Männer es in ihrem Beruf leichter als Frauen?

Wahrscheinlich ist es in vielen Bereichen immer noch so.


Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie?

Man sagt, Disziplin und Geduld, was ich nicht immer schmeichelhaft finde.


Ihr größter Flop?

Ich könnte nur ein paar kleinere bieten…


Was lesen / hören / schauen Sie morgens als erstes?

Den Kulturteil meiner Tageszeitung, der Rest folgt später oder bleibt nur flüchtig durchgeblättert.


Ihr liebstes Hobby?

Ein klassisches Hobby habe ich nicht. Ich lese Bücher, das darf auch gern mal ein Krimi sein, besuche die eine oder andere Ausstellung oder gehe ins Kino.


Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückblickend anders treffen?

Manchmal denke ich, ich hätte mich vielleicht von Anfang an ausschließlich auf das Familienrecht konzentrieren sollen. Aber eigentlich empfinde ich es doch als hilfreich, am Anfang auch in andere Gebiete zumindest einmal hineingeschmeckt zu haben.


Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem Berufsweg besonders geholfen?

Es war und ist eher die Erkenntnis, sich besser zurückzuhalten, wenn man sich nicht sicher ist.

Kammerton 03-2019

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