RAin Karin Susanne Delerue, Vorstandsmitglied der RAK, antwortet

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Seit 2007 und noch bis Mitte März 2019 Mitglied des Vorstandes der Rechtsanwaltskammer Berlin: Rechtsanwältin Karin Susanne Delerue. Foto: Schick


Warum sind Sie Rechtsanwältin geworden?

Ich bin über Umwege zur Juristerei gekommen und habe während des Referendariats bereits begonnen, für eine Rechtsanwaltskanzlei zu arbeiten, erstaunlicherweise mit dem Schwerpunkt Familienrecht. Die Wahlstation bei einer der größten französischen Kanzleien im Bereich M&A hat mir dann gezeigt, dass mir der direkte Kontakt zum Menschen wichtig ist. Verbunden mit der Freiheit in der Berufsausübung und der diesem Beruf eigenen, notwendigen, Unabhängigkeit kann ich mir heute nach all den Jahren nicht vorstellen, einen anderen Beruf auszuüben.


Ihre Vorbilder in der Anwaltschaft?

Geschichtlich sicherlich Marie Otto, die 1922 als erste Frau in Deutschland zur Rechtsanwaltschaft zugelassen wurde, darüber hinaus bewundere ich aber all die Kolleginnen und Kollegen weltweit, die ihr Leben für die Rechte anderer und das Recht, Anwältin oder Anwalt zu sein, einsetzen.


Welche drei Eigenschaften sollte eine gute Rechtsanwältin oder ein guter Rechtsanwalt haben?

Die Fähigkeit, strukturiert zu denken, mutig zu handeln und sich für die vertretene Rechtsauffassung einzusetzen – auch um die Rechtsprechung weiterzuentwickeln, halte ich für wichtig, um den Beruf – ja auch mit Leidenschaft – auszuüben.


Wem empfehlen Sie, den Anwaltsberuf zu ergreifen?

Sicherlich niemandem, der einen geregelten Berufsalltag sucht…..


Welche berufsrechtlichen Vorschriften für die Anwaltschaft halten Sie für notwendig oder aber für überflüssig?

Ich halte das Berufsrecht für unverzichtbar, um uns die Unabhängigkeit von staatlicher Kontrolle zu gewährleisten. Manchmal wünsche ich mir, dass die Kollegen dieses Berufsrecht nicht nur als lästige Pflicht empfinden, sondern als wichtigen Schutz unseres Berufsstandes.


Warum kandidieren Sie nach zwölf Jahren nicht wieder für den Kammervorstand?

Ich habe diese Entscheidung schweren Herzens getroffen, gerade weil mir die Arbeit immer sehr viel Freude gemacht hat. Allerdings sollte der Kammervorstand auch vom Zeitgeist geprägt sein. Ich halte es daher für besonders wichtig, nicht nur Traditionen zu bewahren sondern auch mit jüngeren Kolleginnen frischen Wind und manchmal andere Perspektiven in die berufspolitische Arbeit zu bringen.


Welche Schwerpunkte konnten Sie in Ihrer Vorstandstätigkeit setzen?

Mir lag und liegt das Familienrecht sehr am Herzen, deswegen hat mich die Kooperation der Rechtsanwaltskammer mit dem GJPA, der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, und den vielen anderen Mitwirkenden sehr gefreut, mit der es uns gelungen ist, die Abläufe in den Verfahren zu verbessern, in denen Kinder von der Trennung ihrer Eltern betroffen sind. Ich hoffe sehr, die Zukunft dieses Projekts auch weiterhin begleiten zu können.

Darüber hinaus hatte ich die Möglichkeit, unter der Präsidentschaft von Irene Schmid den Abschluss des Kooperationsvertrages mit der Rechtsanwaltskammer Paris zu erarbeiten und in den Jahren seither auch dessen Umsetzung zu begleiten. Gerade die aktuellen europäischen Entwicklungen zeigen, wie wichtig dieses bilaterale Abkommen ist, auch um berufspolitisch die Freiheit der Anwaltschaft zu gewährleisten.


Was macht Sie wütend?

Noch immer Dummheit, vor allem wenn sie mit – wie so häufig –Dreistigkeit verbunden ist. Betroffen macht mich eine immer tiefer greifende grundsätzliche Abkehr der Menschen von der Höflichkeit untereinander – gleich in welchem Kontext.


Welchem Thema würden Sie ein Buch widmen und mit welchem Titel versehen?

Manchmal überlege ich, ein Buch über die vielfältigen und spannenden Lebenswege zu schreiben, die ich im Verlauf meiner Arbeit als Familienanwältin kreuze, allerdings würde mir wohl niemand glauben, dass es sich um wahre Geschichten handelt. Es bleibt daher wohl nur ein Schubladenprojekt….


Welche Veränderungen im Berufsalltag schätzen Sie besonders?

Die Möglichkeit, unabhängig von meinem Arbeitsplatz in der Kanzlei arbeiten zu können.


Haben Männer es in ihrem Beruf leichter als Frauen?

Das werden sie solange haben, solange die Gesellschaft sich schwer mit der Vorstellung tut, dass auch Elternteile nicht nur gleich berechtigt sondern gleich verpflichtet sind.


Welche Stärken und welche Schwächen haben Sie?

Mir wird ein starker Wille nachgesagt….


Ihr größter Flop?

Meine Tätigkeit als Bedienung auf dem Oktoberfest, um nach dem ersten Staatsexamen „rasch“ Geld zu verdienen.


Was lesen / hören / schauen Sie morgens als erstes?

Deutschlandfunk. Jeden Morgen, und am Wochenende in Ruhe die Tageszeitung.


Ihr liebstes Hobby?

Hobbies setzen Regelmäßigkeit voraus, das schaffe ich derzeit noch nicht. Aber ich gehe furchtbar gerne in die Philharmonie, liebe das Programm der Komischen Oper, probiere neue Restaurants aus und entdecke die vielen Dinge in dieser Stadt, die ich noch immer nicht kenne.


Welche berufliche Entscheidung würden Sie rückblickend anders treffen?

Keine. Gut , oder?


Welcher Rat hat Ihnen auf Ihrem Berufsweg besonders geholfen?

Unverzichtbar und stets präsent: „If you doubt, don’t“.

Kammerton 0102-2019

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